BIO

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Gründugscrew
Michel: Git & Voc
JOR: Git & Voc
Udo: Bass & Chor
Matthias: Drum

Spätere Besetzung:
Michel: Git & Voc
JOR: Git & Voc
Hans-Uwe: Bass & Voc
Ralph: Drum

Ohne Michel, aber mit Atti am Gesang entstand aus Pissrinne dann Ende 1981 Bluttat.

Michel wiederum gründete mit anderen Leuten 1982 eine neue Band, in der Ralph zeitweise ebenso noch Schlagzeug spielte und aus der später die Lokalmatadore wurden.

 

Gegenwart 1979/1980, unsere Themen, unsere Songs…

Wir waren die No-Future-Generation.

Angesichts der atomaren Bedrohung des Kalten Krieges, die 1979 mit dem Nato-Doppelbeschluss die Möglichkeit eines „heißen“ Krieges allgegenwärtig fühl- und greifbar werden ließ, wollten wir unser eigenes Ding machen, was sollte man von dieser politischen und gesellschaftlichen Lage auch noch erwarten?
In all diesem Übel gab es die Wehrpflicht, jederMann sollte diesen Wahnsinn mitmachen und für sein Vaterland in den greifbar nahen Krieg ziehen. Das hatten wir doch gerade erst, nicht unmittelbar unsere Generation, aber doch die Generation, die uns in die Welt gesetzt hatte. Mir wird jetzt noch schlecht, wenn ich daran denke.

Wir waren überzeugte Pazifisten und Anarchos und es wäre das Schlimmste gewesen zur Bundeswehr zu gehen. (Kreiswehrersatzamt Mettmann). Wir wollten keine Befehle empfangen, wir wollten frei sein, autonom, politisch engagiert, wir wollten Musik machen, uns betrinken, Sex haben, abhängen, Fun haben.

Parallel zur Mittelstrecken-Atomwaffen-Problematik wurde die Energiegewinnung per Atomkraft in Deutschland, trotz aller bekannten und unbekannten Gefahren, im geschmiedeten Pakt von Politik und Wirtschaft hart durchgezogen, wir haben uns die Seelen aus dem Leib protestiert, sind durch halb Deutschland gefahren, um bei den großen Demos dabei zu sein. Wir haben uns am Zaun von Brokdorf Schlachten mit der Polizei geliefert und waren bei der nächsten Demo wieder dabei, erstaunlich ob der Kommunikationsmöglichkeiten in der damaligen Zeit, keine Handys, kein Internet, unglaublich.
Abseits der politischen und wirtschaftlichen Probleme im eigenen Land, engagierten wir uns in der „Dritten-Welt“ Arbeit, hier mit Focus auf die politische Situation in Südafrika und dessen Apartheidregime.

Wohn- und Proberäume waren knapp Anfang der Achtziger, wir waren die Hausbesetzer, der Pöbel, die Aussätzigen, wir bevölkerten alte, halb verfallene Industrieanlagen, Häuser, Kinos und richteten unsere eigenen Jugendzentren ein, mit Proberäumen, Konzerthallen und Wohnmöglichkeiten.

Wir waren autonom und ließen uns nichts vorschreiben.

Wir haben nicht gefragt, wir haben einfach gemacht. Was hatten wir auch schon zu verlieren? Während unsere Stadt Mülheim sich aufrüstete, teure U-Bahnen baute und die Infrastruktur für moderne Konsumtempel bereit stellte, lebten wir abseits der Gesellschaft in unserer eigenen Unter-Welt (Mülheim, Mülheim). Wehe dem, diese beiden Welten trafen aufeinander, gefärbte, hoch stehende Haare und Nieten in der Jacke, das war absolut neu, da gruselte sich das Normalo-Volk, das passte so gar nicht in diese aufstrebende Zeit, in der alles Negative möglichst zu verdrängen war. Konflikte jeglicher Art von verbal bis handgreiflich waren vorprogrammiert und nicht ungewollt von unserer Seite, wir hatten die Vision, die Gesellschaft „aufzurütteln“ und eine neue Weltordnung zu schaffen.

Und wir waren viele, wir waren die „geburtenstarken Jahrgänge“, diese so noch nicht da gewesene Situation überforderte die Legislative, die sich zumindest auf kommunaler Ebene manches Mal verwirrt und ratlos zeigte, während die Executive immer wieder hart durchgriff um die Situation einigermaßen im Griff zu behalten. Aber wir waren flexibel und stellten das Regime vor immer neue Herausforderungen. Unberechenbar und agil, kreativ und erfinderisch.
All das spiegelte sich auch in unserem Sound wieder.

Wir waren frei, wir konnten machen was wir wollten, ohne darüber nachzudenken, ob das jetzt gut ist, oder irgendwem gefällt, es sollte in erster Linie Spaß machen, unkompliziert und experimentierfreudig sein.

Stand in dem Kellerstudio, aus dem die Aufnahmen stammen, irgendwo ein Synthie herum, haben wir das spontan mit in einen Song eingebaut, wir haben Bohrmaschinen vor das Mikro gehalten und in Spielzeugtrompeten gepustet. Wenn wir live spielten war es ein Feeling, seht her, wir machen was wir wollen, scheiß auf all die Normen und Konventionen, wir haben Spaß beim Spielen und ihr habt das dann gefälligst auch. Wir warfen Klorollen in das Publikum, sprühten mit Rosenduft-Spray rum und der anwesende Pöbel nahm diese Botschaften dankbar auf, weil alle so fühlten und es absolut neu war, das war echte Pionierzeit, da ging alles, es gab nichts zu verlieren und so etwas abgefahrenes gab es bis dato sowieso nicht. No-Future und Fun dabei. Hoffnungslos aber nicht Ernst.

Aids war noch kein Thema, daher waren Kondome nicht wirklich präsent oder wie heute normal in der Jackentasche zu finden, die konnte man noch nicht im Supermarkt kaufen, die gab es nur in der Apotheke oder in schmuddeligen Automaten. Also gab es immer wieder spontanen ungeschützten Sex, der oft den schalen Beigeschmack einer ungewollten Schwangerschaft nach sich zog (Beim Sudlerwirt), oder der Ungewissheit, ob die „beschälte“ Frau eventuell die Pille nimmt, die aber damals teuer und nicht ohne weiteres zu kriegen war.
Sexualität wurde mit dem Aufkommen von plötzlich bezahlbaren Videorekordern und den aus dem Boden schießenden Videotheken weiter enttabuisiert und konterkarierte die Doppelmoral der „ach so feinen Gesellschaft“ (Nötigung). Geschlechtsverkehr zum Zuschauen im „Heimkino“ wurde Realität, abseits der verkommenen Non-Stop-Kinos und anrüchigen Viertel.

Wenn irgendwie Kohle ran musste (und das musste es manchmal), hielt man sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser (Nachtarbeit), dem gegenüber stand eine reiche Ober-/Mittelschicht, den Gewinnern des Wirtschaftswunders. Deren Kindern durfte es an nichts fehlen, sie sollten es besser haben als ihren Eltern, der Kriegsgeneration (Oh Tannenbaum).
Die ersten Fast-Food-Ketten tauchten auf (nein, noch nicht McDonalds, das kam später) und mit ihnen Massentierhaltung mit all ihren Problematiken (Wiener Wald).
Einige Song-Texte waren auch totaler Blödsinn, geboren aus Bierlaune und Spaß, aber das musste ja auch sein… :-)  (JOR)

Picture-Vinyl-LP


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...Und Die Pferde War´n so Süß

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